Montag, 7. März 2011

Guttenberg und die Macht der Retrobrillenträger

Was wurde in den letzten Wochen nicht alles über den Springer-Verlag, dessen BILD-Zeitung und das Verhältnis zu Karl-Theodor zu Guttenberg geschrieben! Der Spiegel, selbst bekanntlich jeder Parteilichkeit und jeder Intention zu politischen Kampagnen absolut unverdächtig, titelte über die BILD: „Die Brandstifter“. Linke und linksliberale Presse, retrobrillentragende „Ich-mach-was-mit-Medien“-Typen, die bei einem leckeren Latte Macchiato in ihrem Szene-Café sitzen, eine langsam in Vergessenheit geratende Deutschrock-Band mit heroischem Namen, die eine neue Schlagzeile brauchte – alle waren sie sich einig: Der Axel-Springer-Verlag hat das Sagen in Deutschland. Gleich einem illuminatenähnlichen Geheimbund prägt er die politische Stimmung in Deutschland, hievt Politiker ins Amt und lässt sie fallen wie heiße Kartoffeln, sobald sie nicht mehr tun was er sagt. All das natürlich verbunden mit einer implizit „rechtspopulistischen“ Tendenz und der Kaltherzigkeit der Neoliberalen und Neokonservativen, die ja mittlerweile für alles Böse dieser Welt herhalten müssen.
Und dann kam der Rücktritt Guttenbergs. Der Rücktritt des CSU-Shooting-Stars ist für Opposition, Linke, Linksliberale und Retrobrillenjournalisten so etwas wie ein Pyrrhussieg. Einerseits haben sie es nun endlich geschafft, die neue Allzweckwaffe der Union vorerst aus dem politischen Leben zu verbannen. Andererseits, und das wird den oben genannten Akteuren weniger gefallen, sollte nun aber auch dem letzten Verschwörungstheoretiker klargeworden sein, wie der mediale Hase in Wirklichkeit läuft. Der Einfluss der Springer-Presse, deren Unterstützung nicht gereicht hat, um Guttenberg im Amt zu halten, ist in den letzten Jahren offenkundig eklatant überschätzt worden – ganz im Gegenteil offensichtlich zu dem Einfluss, den der linke bis linksliberale Teil der deutschen Medien hierzulande ausübt, welcher es schon lange vor Bekanntwerden des Dissertationsfiaskos nicht ertragen konnte, dass die Konservativen einen neuen Star vorweisen konnten. Ebenso, wie er es einige Monate zuvor nicht ertragen konnte, dass ein Thilo Sarrazin eine Meinung äußert, die sich außerhalb der politisch korrekten „Gag Rules“ bewegt, und ebenso, wie er es nun nicht ertragen kann, dass der neue Bundesinnenminister genug Rückgrat hat, offen seine Meinung zum Islam zu äußern.
Übrigens, man verstehe mich bitte nicht falsch: Der Rücktritt zu Guttenbergs ist letztendlich richtig, konsequent und nachvollziehbar. Plagiate in derart relevanten wissenschaftlichen Arbeiten sind kein Kavaliersdelikt – erst recht nicht für einen Regierungspolitiker, der auf die Zurechnung politischer wie persönlicher Glaubwürdigkeit in enormer Weise angewiesen ist. Das wirkliche Problem liegt, wie so häufig, in der Doppelmoral derer, die in den vergangenen Wochen moralisiert und Rücktritte gefordert haben. So konnte der frühere Vizekanzler und grüne Bundesaußenminister Joschka Fischer seelenruhig sein Amt fortführen, nachdem bekannt geworden war, dass er sich in seiner linksextremistischen Jugend als Steinewerfer gegenüber Polizisten betätigt hatte – übrigens trotz der Tatsache, dass die BILD-Zeitung nach Bekanntwerden dieser Tatsache massiv Stimmung gegen Fischer gemacht hatte. Das linke Mediennetzwerk hatte sich bereits damals als weitaus einflussreicher erwiesen als der Mythos Springer es war.
Die deutsche Medienlandschaft leidet an einer gewaltigen, linkslastigen Schieflage. Etwas ist faul in einem Staate, in welchem ein Bundesverteidigungsminister wegen Plagiaten in seiner Dissertation zurücktreten muss, aber ein früherer extremistischer Gewalttäter und damit früherer Gegner der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Vizekanzler und oberster Diplomat (!) bleiben konnte. All dies sind Zustände, die Konservative und Liberale so nicht länger hinnehmen dürfen. Daher müssen sie ständig, schonungslos und immer wieder von neuem thematisiert werden.

Kommentare:

  1. Ausnahmsweise gebe ich dir mal völlig Recht. :-)

    Die Fakten sprechen ja auch für sich. Bspw.:

    "Nach den Inhaltsanalysen des Media-Tenor-Instituts wurden die Grünen in der Berichterstattung der führenden deutschen Massenmedien seit dem Herbst 2009 im Durchschnitt fast durchweg positiver beurteilt als alle anderen Parteien."
    http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EEF8ED6D3CA214E6CB8CB11D345C345BB~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Dass eine Mehrheit der Journalisten rot-grün ist, wurde ja auch in genügend Umfragen belegt..

    AntwortenLöschen
  2. naja, was an der kritik an guttenberg explizit links sein soll, ist mir schleierhaft. genauso ist mir schleierhaft, warum ziviler ungehorsam (auch wenn er in gewalt ausartet, die in vielen fällen von einer prügelnden polizei nicht minder be...treiben wird und wurde) konträr zur freiheitlich-demokratischen grundordnung sein soll. dass dieser standpunkt von jemanden kommt, der sich selbst als liberal bezeichnet, irritiert mich dabei besonders (auch dieser einwand ist im übrigen nicht "links" sondern nur demokratietheoretisch).

    ferner - aber hier wird man sich wohl aufgrund unterschiedlicher subjektiver wahrnehmungen nie einigen können - kann ich nirgends eine linkslastige schieflage ausmachen (vielleicht beim "neuen deutschland" und der" jungen welt"!). was an der faz, der zeit, der welt, dem spiegel etc. linkslastig sein soll ist mir - ich wiederhole mich - schleierhaft. man muss schon rechtsradikal sein, um diese presseorgane als links zu bezeichnen.

    einer deiner wenigen artikel, den ich leider voll und ganz ablehnen muss. die argumentation ist in meinen augen sehr widersprüchlich.

    ich zitiere eine renomierte persönlichkeit, die nach jahrzehnten im geschäft möglicherweise weiß, von was sie spricht:
    "Nach meinem Eindruck hat sich die Gesellschaft im staatlich zusammengeschlossenen Deutschland weit nach rechts hin entwickelt. Was unter den Blättern der alten Bundesrepublik einstmals linksliberal war, ist neoliberal geworden; manches auch deutschnational. Die Politik im Land und die Darstellung und Diskussion in den Medien hat Schlagseite." – Günter Gaus (2001)

    ich gebe zu, dass die neoliberale färbung nach der finanzkrise wieder etwas verblichen ist. allerdings ist auch die kritik am neoliberalismus nicht zwangsläufig links, sondern kann genauso auch von wertkonservativer oder sogar liberaler seite kommen.

    AntwortenLöschen
  3. @ Sebastian

    "...warum ziviler ungehorsam (auch wenn er in gewalt ausartet, die in vielen fällen von einer prügelnden polizei nicht minder be...treiben wird und wurde) konträr zur freiheitlich-demokratischen grundordnung sein soll"

    Weil das kein ziviler Ungehorsam ist, sondern eine kriminelle Handlung, weil es Körperverletzung ist und damit ein Verbrechen. Junge Linke, im Kapitalismus wohlgenährt, die meinen ihr jugendliches Temperament an der mutwilligen Verletzung von Polizisten (Menschen!) abreagieren zu können um ihren nachgeholten Widerstand gegen Hilter zu praktizieren, in dem sie einen demokratischen Staat angreifen, gehören nicht in die Politik, sondern in eine Therapie oder ins Gefängnis!

    "man muss schon rechtsradikal sein, um diese presseorgane als links zu bezeichnen."

    Man muss vielleicht aber auch linksradikal sein um Spiegel und Co als rechtslastig zu sehen ;)

    "Günter Gaus (2001)"
    Jemand der damals doch deutliche Sympathien gegnüber dem Unrechtsregime der DDR empfand, von dem hätte ich keine andere Aussage erwartet. ;)

    AntwortenLöschen

Anonyme Kommentare werden nicht veröffentlicht. Bitte geben Sie bei einem Kommentar Ihren richtigen Namen an. Dazu wählen Sie die Option "Name / URL". Die Angabe einer URL ist dafür nicht zwingend erforderlich. Verzichten Sie bitte auf Pauschalisierungen und bleiben Sie sachlich. Vielen Dank.