Donnerstag, 21. Juni 2012

Kernfusion als Zukunftstechnologie

Es ist wahr: Nicht alles, was von der EU kommt, ist schlecht. Vieles, aber nicht alles. Zu den aktuellen positiven Maßnahmen der EU gehört der im April gefallene Beschluss, den experimentellen Kernfusionsreaktor ITER in Südfrankreich mit 650 Millionen Euro zu fördern.

Weltweit setzen Physiker und Teile der Politik große Hoffnungen in diese mögliche, an den inneren Vorgängen der Sonne orientierte Form der Energiegewinnung, welche bei ITER und mittlerweile auch mit Hilfe des Greifswalder Forschungsreaktors „Wendelstein 7-X“, der Mitte 2014 an den Start gehen soll, erforscht werden soll. ITER wird gefördert von der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM), Japan, Russland, China, Südkorea, Indien und den USA. In der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts dürfte es dabei weitestgehend beim experimentellen Forschungsbetrieb bleiben, welcher sodann, falls er sich als erfolgreich erweist, in der zweiten Jahrhunderthälfte in eine neue, innovative Form der Energiegewinnung übergehen könnte.

Gelingt dies, so wären damit zentrale Fragen der gegenwärtigen, weltweit geführten energiepolitischen Debatte gelöst. Die „saubere“ Energie der Kernfusion wäre nicht nur ein klimafreundlicher, stets verfügbarer Ersatz für die zur Neige gehenden fossilen Energiequellen, sondern produziert nach gegenwärtigen Erkenntnissen auch nur schwach strahlenden Abfall, der bereits nach 100 Jahren nicht mehr radioaktiv wäre – was auch die resultierende Endlagerproblematik enorm erleichtern würde. Gleichzeitig besteht im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie die Chance zu hoher Produktivität. Im Falle eines Unfalls eines entsprechenden Kraftwerkes wäre die austretende Radioaktivität so gering, dass er allerhöchstens einem wenn auch tragischen, aber im heutigen Zeitalter „normalen“ Industrieunfall gleichkäme.

Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen ist es insbesondere für das fortschrittsfreundliche konservativ-liberale Lager nun wichtig, sich nicht von grüner Technikfeindlichkeit zu vorschnellen Aktionen hinreißen zu lassen. Die Grünen haben, ideologisiert von der Hoffnung auf Solar und Wind, letztes Jahr den Baustopp von ITER gefordert, da dessen Kosten explodieren und sich ein Nutzen angeblich nicht abzeichne. Demgegenüber hatte sich die schwarz-gelbe Bundesregierung zu dem Projekt bekannt, bei dem Deutschland einen Hauptkostenanteil trägt.

Es gilt nun, sich – trotz der für die „bürgerliche“ Seite sicherlich auch präsenten und problematischen Kostenfrage – sich von derlei Rückfällen nicht beirren zu lassen. Die deutsche wie auch die europäische Politik haben hier endlich einmal die Chance, langfristig zu denken: Es bietet sich die Möglichkeit, für die Zeit nach ca. 2050 energiepolitische Unabhängigkeit einerseits plus ökologische Sicherheit andererseits zu gewährleisten, womöglich gar in globalem Maßstab. Ein Ziel, welches zugleich Perspektiven für mehr Frieden auf der Welt eröffnet, indem es das Problem der Energieknappheit eventuell in umfassender Weise angeht. Ein Ziel, dass uns ein paar Milliarden Euro wert sein sollte – insbesondere in Zeiten, in denen die deutschen Milliarden für ganz andere, aber höchst unrealistische politische Projekte herhalten müssen.

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